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F31
Affektive Störungen

Bipolare Störungen

Bipolar-I- & Bipolar-II-Störungen

12-Monatsprävalenz: 1-3% (Bipolar-Spektrum)

2-3 Seiten Zusammenfassung

Überblick

Bipolare Störungen (F31) sind episodische affektive Störungen, bei denen sowohl manische bzw. hypomanische als auch depressive Episoden auftreten. Kennzeichnend ist der Wechsel zwischen Phasen krankhaft gehobener oder gereizter Stimmung mit Antriebssteigerung und Phasen depressiver Verstimmung mit Antriebsverlust — unterbrochen von unterschiedlich langen symptomfreien oder symptomarmen Intervallen. Unterschieden werden die Bipolar-I-Störung (mindestens eine voll ausgeprägte manische Episode, meist zusätzlich depressive Episoden) und die Bipolar-II-Störung (rezidivierende depressive Episoden plus hypomanische Episoden, ohne dass je eine Manie auftrat). Da die Erkrankung sich häufig zuerst mit depressiven Episoden zeigt und hypomanische Phasen subjektiv oft nicht als krankhaft erlebt werden, wird sie in der Praxis lange übersehen — die aktive Exploration (hypo)manischer Episoden gehört deshalb in jede Depressionsdiagnostik.

ICD-10
F31.0-F31.9
Häufigkeit
1-3% pro Jahr (Bipolar-Spektrum)
Geschlechterverhältnis
Ausgeglichen (ca. 1:1)
Erstmanifestation
Meist 15.-30. Lebensjahr
Diagnoselatenz
Im Mittel ca. 6-10 Jahre
Suizidrisiko
15-20-fach erhöht gegenüber Allgemeinbevölkerung
Erstlinientherapie
Stimmungsstabilisierer + strukturierte Psychoedukation (A)

Prävalenz

Gesamt: 12-Monatsprävalenz des Bipolar-Spektrums: ca. 1-3%. Die Bipolar-I-Störung ist dabei seltener als das breitere Spektrum einschließlich Bipolar-II.
Geschlecht: Anders als bei der unipolaren Depression ist das Geschlechterverhältnis weitgehend ausgeglichen (ca. 1:1). Frauen zeigen häufiger depressive Prädominanz und Rapid Cycling, Männer häufiger manische Erstmanifestationen.
Alter: Erstmanifestation meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr — oft mit einer depressiven Episode, wodurch die bipolare Störung zunächst als unipolare Depression verkannt wird.
Trend: Die Prävalenz ist stabil. Das zentrale Versorgungsproblem ist nicht eine Zunahme, sondern die lange Diagnoselatenz von im Mittel etwa 6-10 Jahren zwischen Erstsymptomen und korrekter Diagnose.

Verlauf & Prognose

Bipolare Störungen verlaufen hoch rezidivierend: Nach einer ersten manischen Episode erleben die allermeisten Betroffenen weitere Krankheitsphasen, und mit jeder Episode steigt das Risiko für nachfolgende. Zwischen den Episoden besteht häufig weitgehende Remission, bei einem Teil der Betroffenen bleiben jedoch interepisodische Residualsymptome (v.a. subsyndromal-depressive Beschwerden) mit Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit und Beziehungen. Das Suizidrisiko ist mit etwa dem 15-20-Fachen der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht — am höchsten in depressiven und insbesondere in gemischten Episoden, in denen depressive Verzweiflung mit manischer Antriebssteigerung zusammentrifft. Die Langzeitprognose hängt entscheidend von einer konsequenten Phasenprophylaxe ab: medikamentöse Stimmungsstabilisierung als Grundlage, ergänzt durch Psychoedukation, Frühwarnzeichen-Management und Stabilisierung der Schlaf-Wach- und Sozialrhythmen. Damit lassen sich Episodenfrequenz und -schwere deutlich reduzieren; Absetzen der Medikation nach Remission ist der häufigste vermeidbare Rückfallgrund.

Subtypen

F31.0
Gegenwärtig hypomanische Episode
Aktuell hypomanische Episode (gehobene oder gereizte Stimmung über mindestens 4 Tage ohne schwere Funktionsbeeinträchtigung) bei mindestens einer weiteren affektiven Episode in der Anamnese.
F31.1
Gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome
Voll ausgeprägte Manie (mindestens 1 Woche, deutliche Beeinträchtigung der Lebensführung) ohne Wahn oder Halluzinationen.
F31.2
Gegenwärtig manische Episode mit psychotischen Symptomen
Manie mit Wahn (häufig Größenwahn) oder Halluzinationen. Fachärztliche Mitbehandlung obligat; stationäre Behandlung prüfen.
F31.3
Gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Episode
Aktuell depressive Episode leichter oder mittelgradiger Ausprägung bei mindestens einer (hypo)manischen oder gemischten Episode in der Anamnese.
F31.4
Gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
Schwere bipolare Depression ohne psychotische Symptome. Suizidalität aktiv und wiederholt explorieren.
F31.5
Gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
Schwere bipolare Depression mit Wahn (z.B. Schuld-, Verarmungswahn) oder Halluzinationen. Höchste Behandlungsintensität, stationäre Behandlung prüfen.
F31.6
Gegenwärtig gemischte Episode
Gleichzeitiges oder rasch wechselndes Auftreten manischer und depressiver Symptome (z.B. gesteigerter Antrieb bei depressiver Stimmung). Klinisch die gefährlichste Konstellation — höchstes Suizidrisiko.
F31.7
Gegenwärtig remittiert
Aktuell keine relevante affektive Symptomatik bei bipolarer Störung in der Anamnese. Fokus auf Phasenprophylaxe, Frühwarnzeichen-Management und Rückfallprävention.
F31.8
Sonstige bipolare affektive Störungen
Hierunter wird in der ICD-10 u.a. die Bipolar-II-Störung kodiert: rezidivierende depressive Episoden mit hypomanischen (nie manischen) Episoden. Häufig als unipolare Depression verkannt.
F31.9
Bipolare affektive Störung, nicht näher bezeichnet
Restkategorie, wenn die Kriterien einer spezifischen Verlaufsform nicht sicher zugeordnet werden können.

Komorbiditäten

F41Angststörungen (v.a. Panikstörung, generalisierte Angststörung)Häufig
F10Alkoholbezogene Störungen (oft als Selbstmedikation in beiden Polaritäten)Häufig
F90ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)Gelegentlich
F60.31Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-TypGelegentlich

Diagnostik

ICD-10-Kriterien

Hauptkriterien

  • Mindestens zwei affektive Episoden, davon mindestens eine hypomanische, manische oder gemischte Episode
  • Manische Episode: gehobene, expansive oder gereizte Stimmung, deutlich abweichend vom üblichen Zustand, über mindestens 1 Woche (oder stationäre Behandlung erforderlich), mit deutlicher Beeinträchtigung der Lebensführung
  • Hypomanische Episode: anhaltend gehobene oder gereizte Stimmung über mindestens 4 aufeinanderfolgende Tage — ohne schwere Beeinträchtigung der sozialen oder beruflichen Funktionsfähigkeit und ohne psychotische Symptome
  • Depressive Episoden erfüllen die Kriterien einer depressiven Episode (F32): gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsminderung über mindestens 2 Wochen

Zusatzkriterien

  • Gesteigerte Aktivität oder motorische Ruhelosigkeit
  • Gesteigerter Rededrang
  • Ideenflucht oder subjektives Gedankenrasen
  • Verlust normaler sozialer Hemmungen (situationsunangemessenes Verhalten)
  • Vermindertes Schlafbedürfnis (ohne Müdigkeit am Folgetag)
  • Überhöhte Selbsteinschätzung oder Größenideen
  • Erhöhte Ablenkbarkeit, ständiger Wechsel von Plänen und Aktivitäten
  • Tollkühnes oder riskantes Verhalten, dessen Risiken verkannt werden (Kaufexzesse, riskante Geldgeschäfte, rücksichtsloses Fahren)
  • Gesteigerte Libido oder sexuelle Taktlosigkeit
Erforderlich
Für F31 müssen mindestens zwei affektive Episoden vorliegen, davon mindestens eine hypomanisch, manisch oder gemischt. Für die manische bzw. hypomanische Episode müssen zusätzlich zur Stimmungsveränderung mindestens 3 der Zusatzsymptome vorhanden sein (bei nur gereizter Stimmung: mindestens 4).
Dauer
Manie: ≥ 1 Woche (oder Hospitalisierung erforderlich); Hypomanie: ≥ 4 Tage; depressive Episode: ≥ 2 Wochen

Schweregrade

F31.0Gegenwärtig hypomanische EpisodeAktuell Hypomanie (≥ 4 Tage, keine schwere Funktionsbeeinträchtigung, keine psychotischen Symptome) + mindestens eine weitere affektive Episode in der Anamnese
F31.1Gegenwärtig manische Episode ohne psychotische SymptomeAktuell voll ausgeprägte Manie (≥ 1 Woche, deutliche Beeinträchtigung) ohne Wahn/Halluzinationen
F31.2Gegenwärtig manische Episode mit psychotischen SymptomenAktuell Manie mit Wahn (häufig Größenwahn) oder Halluzinationen
F31.3Gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive EpisodeAktuell depressive Episode leichter/mittelgradiger Ausprägung + (hypo)manische oder gemischte Episode in der Anamnese
F31.4Gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische SymptomeAktuell schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
F31.5Gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen SymptomenAktuell schwere depressive Episode mit Wahn oder Halluzinationen
F31.6Gegenwärtig gemischte EpisodeGleichzeitiges oder rasch wechselndes Auftreten manischer und depressiver Symptome — höchstes Suizidrisiko
F31.7Gegenwärtig remittiertAktuell keine relevante affektive Symptomatik; bipolare Störung in der Anamnese

Screening-Instrumente

MDQMood Disorder QuestionnaireFrei verfügbar
13 Items
Cut-off: ≥ 7 Symptom-Items + Symptome traten gleichzeitig auf + mindestens mäßige Beeinträchtigung
Sens.: ca. 73%
Spez.: ca. 90%
HCL-32Hypomania ChecklistFrei verfügbar
32 Items
Cut-off: ≥ 14
Sens.: Hoch für hypomanische Episoden (Screening auf Bipolar-II bei depressiven Patient:innen)
Spez.: Geringer als beim MDQ — positive Screenings stets klinisch verifizieren
YMRSYoung Mania Rating ScaleFrei verfügbar
11 Items
Cut-off: Kein diagnostischer Cutoff — Fremdrating zur Schweregrad- und Verlaufsmessung manischer Symptomatik
Sens.: Entfällt (Verlaufsinstrument, kein Fallidentifikations-Screening)
Spez.: Entfällt (Verlaufsinstrument, kein Fallidentifikations-Screening)

Differentialdiagnosen

F32/F33
Unipolare DepressionWichtigste Differentialdiagnose — bei jeder Depressionsdiagnostik aktiv und konkret nach früheren hypomanischen oder manischen Episoden fragen (vermindertes Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit, ungewöhnliche Energie- und Ideenschübe, riskante Entscheidungen), möglichst mit Fremdanamnese. Hypomanien werden von Betroffenen selten spontan als krankhaft berichtet — daher die lange Diagnoselatenz.
F60.31
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-TypStimmungswechsel innerhalb von Stunden, typischerweise interpersonell getriggert, mit chronischem Leeregefühl und Identitätsstörung. Bipolare Episoden dauern dagegen Tage bis Wochen und gehen mit episodischen Veränderungen von Antrieb, Schlafbedürfnis und Aktivitätsniveau einher. Komorbidität ist möglich.
F90
ADHSÜberdauernde, nicht episodische Unruhe, Ablenkbarkeit und Impulsivität mit Beginn in der Kindheit — kein phasischer Wechsel mit symptomfreien Intervallen, kein vermindertes Schlafbedürfnis mit erhaltener Energie. Bei Erstmanifestation im Jugendalter sorgfältig abgrenzen; Komorbidität beachten.
F23
Akute vorübergehende psychotische StörungBei Manie mit psychotischen Symptomen abgrenzen: Bei F31.2 steht die affektive Kernsymptomatik (gehobene/gereizte Stimmung, Antriebssteigerung, vermindertes Schlafbedürfnis) im Vordergrund und der Verlauf ist episodisch-affektiv.
F06.3
Organische affektive Störung (u.a. Hyperthyreose)Manieähnliche Bilder bei Hyperthyreose, neurologischen Erkrankungen oder unter Steroidtherapie. Somatische Abklärung (inkl. Schilddrüsenparameter) und Medikamentenanamnese gehören zur Erstdiagnostik.
F1x
Substanz- oder medikamenteninduzierte affektive EpisodeZeitlicher Zusammenhang mit Stimulanzien, Kokain oder Steroiden; ebenso kann eine Antidepressiva-Monotherapie einen Switch in die (Hypo-)Manie auslösen. Sorgfältige Substanz- und Medikationsanamnese; Zuordnung zur bipolaren Störung klinisch prüfen.

Red Flags

  • Akute Manie mit Selbst- oder Fremdgefährdung (Erschöpfungsgefahr, riskantes Verhalten, Aggressivität, fehlende Krankheitseinsicht) — stationäre Einweisung prüfen, ggf. auch gegen den Willen nach den rechtlichen Voraussetzungen
  • Gemischte Episoden bergen das höchste Suizidrisiko: depressive Verzweiflung trifft auf manische Antriebssteigerung — Suizidalität engmaschig und direktiv explorieren, Sicherheitsplan aktivieren
  • Psychotische Symptome (Größenwahn, Schuld-/Verarmungswahn, Halluzinationen) — sofortige fachärztlich-psychiatrische Mitbehandlung
  • Antidepressiva-Monotherapie kann bei bipolarer Störung einen Switch in die (Hypo-)Manie auslösen — Medikationsanamnese erheben und bei Verdacht auf Bipolarität umgehend Rücksprache mit den Verordnenden

Therapieansätze

Erste Wahl

KVTEvidenz BPhasenprophylaktische Rückfallreduktion (adjuvant)

Basisintervention ist die strukturierte Psychoedukation: Sie soll allen Patient:innen mit bipolarer Störung angeboten werden (Empfehlungsgrad A) und ist der am besten belegte psychotherapeutische Baustein zur Rückfallreduktion. In der Versorgung wird sie überwiegend als Bestandteil bzw. Rahmen KVT-basierter Gruppen- oder Einzelprogramme umgesetzt (Störungsmodell, Frühwarnzeichen, Medikationsadhärenz, Rhythmusstabilisierung — die konkreten Psychoedukations-Bausteine sind in der Interventionen-Sektion ausgearbeitet). Die KVT im engeren Sinne ist phasenprophylaktisch wirksam (Empfehlungsgrad B): Frühwarnzeichen-Management, Bearbeitung depressiver Kognitionen, Adhärenzförderung und Aktivitätsregulation.

Quelle: S3-LL Bipolare Störungen (AWMF 038-019)

Zweite Wahl

Evidenz B
SYSTEMICFamilienfokussierte Therapie (FFT nach Miklowitz): psychoedukativ-familienbasiertes Programm mit Kommunikations- und Problemlösetraining. Indiziert bei hoher familiärer Belastung bzw. High-Expressed-Emotion-Umfeld sowie bei jungen Patient:innen, die in die Familie eingebunden sind — der Einbezug von Angehörigen verbessert Rückfallschutz und Adhärenz.
Evidenz B
TPInterpersonelle und Soziale Rhythmustherapie (IPSRT nach Frank), entwickelt aus der Interpersonellen Psychotherapie (IPT): verbindet die Bearbeitung interpersoneller Belastungen (Rollenwechsel, Konflikte, Verluste) mit der systematischen Stabilisierung sozialer Rhythmen und des Schlaf-Wach-Rhythmus. Indiziert bei rhythmusdestabilisierenden Lebensumständen und interpersonellen Auslösern affektiver Episoden.

Pharmakotherapie

Indikation: Stimmungsstabilisierung ist die Behandlungsgrundlage der bipolaren Störung; Psychotherapie erfolgt stets adjuvant zur Pharmakotherapie, nicht als deren Ersatz. Die medikamentöse Führung gehört in fachärztlich-psychiatrische Hand — enge Kooperation zwischen Psychotherapie und verordnender Ärzt:in ist Standard.

Mittel der Wahl: Lithium (Goldstandard der Phasenprophylaxe, zusätzlich suizidpräventiv), Quetiapin (bipolare Depression), Lamotrigin (Prophylaxe depressiver Phasen), Valproat (Cave: nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter)

Antidepressiva nur in Kombination mit einem Stimmungsstabilisierer einsetzen — eine Antidepressiva-Monotherapie kann einen Switch in die (Hypo-)Manie auslösen. Bei Rapid Cycling Antidepressiva möglichst ganz vermeiden.

Spezielle Populationen

Schwangerschaft und Frauen im gebärfähigen Alter: Lithium und Valproat sind teratogen; Valproat darf bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht eingesetzt werden. Kinderwunsch und Kontrazeption aktiv ansprechen, Medikationsfragen präkonzeptionell planen — engmaschige fachärztliche Begleitung ist obligat. Die Peripartalzeit ist eine Hochrisikophase für Rezidive.
Jugendliche und junge Erwachsene: Erstmanifestation fällt meist in das 15.-30. Lebensjahr: Früherkennung verkürzt die Diagnoselatenz. Sorgfältige Abgrenzung zur ADHS (episodischer vs. überdauernder Verlauf); Familie psychoedukativ einbeziehen; Alltagsrhythmen (Ausbildung, Prüfungsphasen, Nachtleben) als Rückfallfaktoren bearbeiten.
Rapid Cycling (≥ 4 Episoden/Jahr): Antidepressiva vermeiden — sie können die Episodenfrequenz weiter erhöhen. Fokus auf Optimierung der Stimmungsstabilisierung durch die Fachärzt:in sowie konsequente Rhythmus- und Schlafstabilisierung; engmaschiges Mood-Monitoring.

Interventionen & Übungen

Arbeitsblätter

Empfohlene Arbeitsblätter

Tagesprofil: Stimmung und Energie
Tägliche Erfassung von Stimmung und Energie als prospektives Frühwarnsystem: Abweichungen vom persönlichen Normalbereich werden sichtbar, bevor eine Episode voll ausbildet. Ansteigende Stimmung bei sinkender Schlafdauer ist das wichtigste Alarmmuster.
Phase: Durchgehend — Mood-Monitoring
Medikations-Tagebuch
Dokumentiert Einnahme, Wirkung und Nebenwirkungen der Stimmungsstabilisierer. Gemeinsame Datenbasis für die Adhärenz-Arbeit und die Rückmeldung an die verordnende Fachärzt:in — Absetzen nach Remission ist der häufigste vermeidbare Rückfallgrund.
Phase: Durchgehend — Adhärenz
Ausführliches Schlaftagebuch
Schlaf ist der empfindlichste Rhythmusgeber: Verkürzter Schlaf ohne Müdigkeit ist ein zentrales Manie-Frühwarnzeichen, Schlafmangel ein etablierter Episodenauslöser. Grundlage der sozialen Rhythmisierung.
Phase: Arbeitsphase — Rhythmusstabilisierung (IPSRT)
Persönlicher Notfallplan bei Krisen
Individueller Krisenplan mit Warnsignalen und abgestuften Handlungsschritten für manische wie depressive Entwicklungen — in euthymer Phase erstellen und nach jeder Episode aktualisieren.
Phase: Anfangsphase — Krisenprophylaxe
Sicherheitsplan - Suizidpraevention (nach Stanley & Brown)
Das Suizidrisiko ist deutlich erhöht, am höchsten in gemischten Episoden. Der 6-Stufen-Sicherheitsplan nach Stanley & Brown strukturiert Warnsignale, Bewältigungsstrategien und Notfallkontakte.
Phase: Bei Indikation — Suizidprävention
Gedankenprotokoll (5-Spalten-Technik)
Kognitive Umstrukturierung depressiver Kognitionen (Hoffnungslosigkeit, Schuld, Selbstabwertung) in bipolar-depressiven Phasen nach dem klassischen 5-Spalten-Schema.
Phase: Arbeitsphase — depressive Episoden
Wochenprotokoll angenehmer Aktivitäten
Dosierte Verhaltensaktivierung in depressiven Phasen. Cave: Bei Restinstabilität den Aktivierungsumfang an Stimmung und Schlaf koppeln — Überaktivierung kann eine hypomanische Entwicklung anschieben.
Phase: Arbeitsphase — depressive Episoden
Rückfallpräventionsplan
Frühwarnzeichen, Risikosituationen (Schlafmangel, Rhythmusbrüche, Absetzimpulse) und konkrete Gegenmaßnahmen zum Therapieende schriftlich verankern.
Phase: Abschlussphase — Rückfallprävention
Therapie-Tools Bipolare Störungen
Störungsspezifische Arbeitsblattsammlung zu Psychoedukation, Frühwarnzeichen und Stimmungsmanagement bei bipolaren Störungen — Fundus für die Sitzungsvorbereitung.
Phase: Durchgehend — Materialsammlung

Weitere Arbeitsblätter

Frühwarnzeichen-Profil & NotfallplanEvidenz A

Individuelles Frühwarnzeichen-Profil für beide Polaritäten mit Ampellogik: Für jedes Warnzeichen werden Ampelstufe, konkrete Gegenmaßnahme und die zu informierende Person festgelegt. In euthymer Phase gemeinsam erarbeiten, mit Angehörigen abstimmen und nach jeder Episode aktualisieren — das Kernstück der psychoedukativen Rückfallprophylaxe.

Spalten: Frühwarnzeichen (Manie) • Frühwarnzeichen (Depression) • Ampelstufe (grün/gelb/rot) • Konkrete Gegenmaßnahme • Wer wird informiert?

Entspannungsverfahren

Empfohlene Übungen

Progressive Muskelrelaxation (PMR)
Bei Anspannung, innerer Unruhe und Einschlafproblemen vor allem in depressiven und euthymen Phasen — senkt das physiologische Arousal, ohne zu aktivieren. Cave: In (hypo)manischen Phasen nur einsetzen, wenn die Übung erkennbar beruhigt; die Schlafregularität hat stets Vorrang vor der einzelnen Übung.
Empfohlener Einsatz: Zunächst tagsüber einüben, dann als fester Baustein der Abendroutine (15-20 Min., täglich etwa zur gleichen Zeit).
Body-Scan Meditation
Achtsame Körperwahrnehmung bei Grübeln und Anspannung in depressiven und stabilen Phasen. Cave: Intensive oder lange Meditationsformate in (hypo)manischen und instabilen Phasen zurückhaltend einsetzen — kurze, körpernah verankerte Varianten bevorzugen.
Empfohlener Einsatz: In stabilen und depressiven Phasen 10-20 Min. am Abend; bei Restinstabilität kurze Varianten (unter 10 Min.) wählen, bei akuter (Hypo-)Manie pausieren.
Diaphragmatische Atmung (Bauchatmung)
Niedrigschwellige Beruhigung über verlangsamte Bauchatmung — in allen Krankheitsphasen einsetzbar, da kurz, neutral und nicht aktivierend. Guter Einstieg, wenn längere Verfahren (noch) nicht passen.
Empfohlener Einsatz: Als Kurzintervention von 5-10 Min., z.B. in der Abendroutine oder bei aufsteigender Unruhe tagsüber.
Resonanzatmung (6 Atemzüge pro Minute)
Langsame Atmung zur Herabregulation am Abend — unterstützt den Schlafanker und eignet sich für Patient:innen, die PMR als zu aufwendig erleben.
Empfohlener Einsatz: Abends vor dem Zubettgehen, 10-15 Min., möglichst täglich zur gleichen Zeit als Teil der festen Abendroutine.

Spezifische Techniken

Abendroutine zur Schlafanker-Stabilisierung

Fester, immer gleicher Ablauf der letzten 60-90 Minuten vor dem Zubettgehen. Der Schlaf ist bei bipolaren Störungen der empfindlichste Rhythmusgeber: Schlafmangel ist ein etablierter Auslöser (hypo)manischer Episoden, und verkürzter Schlaf ohne Müdigkeit ist zugleich deren wichtigstes Frühwarnzeichen. Die Abendroutine schützt das Schlaffenster und macht Abweichungen früh erkennbar.

  1. 1.Feste Zubettgeh- und Aufstehzeit festlegen — auch am Wochenende mit möglichst geringer Abweichung (Richtwert: nicht mehr als etwa eine Stunde)
  2. 2.60-90 Minuten vor dem Zubettgehen den Übergang einleiten: Bildschirme aus, Licht dämpfen, keine aufwühlenden Gespräche, Projekte oder Planungsschübe mehr
  3. 3.Ein ruhiges, immer gleiches Element einbauen: PMR-Kurzform, Resonanzatmung oder ruhige Lektüre
  4. 4.Koffein ab dem Nachmittag und Alkohol als 'Einschlafhilfe' vermeiden
  5. 5.Schlafdauer und Einschlafzeit im Stimmungstagebuch mitprotokollieren
  6. 6.Regel verankern: Verkürzter Schlaf ohne Müdigkeit am Folgetag = gelbes Frühwarnzeichen — am selben Tag gegensteuern (Abendtermine reduzieren, Schlaffenster schützen, ggf. Praxis kontaktieren)

Evidenz: Rhythmus- und Schlafstabilisierung ist Kernprinzip der IPSRT (Frank 2005) und Bestandteil der leitliniengerechten Rückfallprophylaxe (S3-LL Bipolare Störungen, AWMF 038-019).

Gedämpfte Kurz-Achtsamkeit statt intensiver Meditation

Kurze, körpernah verankerte Achtsamkeitsformate (Atem-Anker, Fünf-Sinne-Übung) anstelle langer oder intensiver Meditationsformate. Rationale: In (hypo)manischen und instabilen Phasen können aktivierende oder sehr intensive Meditationspraktiken Unruhe und Entgrenzung eher fördern — kurze, geerdete Formate erhalten den achtsamen Umgang mit Frühwarnzeichen, ohne zu destabilisieren.

  1. 1.Kurzes Format wählen (3-10 Min.) und an einen festen Tagespunkt koppeln (z.B. nach dem Mittagessen)
  2. 2.Aufmerksamkeit auf konkrete Körperempfindungen richten: Kontakt der Füße zum Boden, Atembewegung an der Bauchdecke — keine 'offene Weite' und keine intensiven Retreat-Formate
  3. 3.Abschweifende Gedanken kurz benennen und zum Körperanker zurückkehren
  4. 4.Bei Anzeichen von Aufdrehen (Gedankenrasen, Bewegungsdrang, Ideenschübe) die Übung beenden und zu einer ruhigen Routinetätigkeit wechseln
  5. 5.Wirkung kurz im Stimmungstagebuch notieren; in akut (hypo)manischen Phasen die Praxis ganz pausieren und Schlaf-/Rhythmusschutz priorisieren

Evidenz: Klinischer Konsens: Aktivierende bzw. intensive Meditationsformate werden in (hypo)manischen Phasen zurückhaltend eingesetzt; Vorrang haben Schlafregularität und Rhythmusschutz (vgl. S3-LL Bipolare Störungen, AWMF 038-019 — Entspannungs- und Achtsamkeitselemente als ergänzende Bausteine).

Muster & Fallstricke

Typische Muster

Absetzen der Medikation nach Remission

Nach Wochen oder Monaten der Stabilität erscheint die Medikation überflüssig ('Ich brauche das nicht mehr — mir geht es ja gut'). Dahinter stehen oft Nebenwirkungen, Stigma und die Trauer um hypomane Energie. Das Absetzen in Eigenregie ist der häufigste vermeidbare Rückfallgrund.

Beispiel: Ein Patient setzt nach acht stabilen Monaten das Lithium eigenmächtig ab: 'Das war bestimmt nur eine Phase damals.' Drei Monate später beginnt eine manische Episode mit erheblichen finanziellen Folgen.
Intervention: Psychoedukation zur Prophylaxe-Rationale (episodischer Verlauf, steigendes Rückfallrisiko), strukturierte Adhärenz-Arbeit mit motivierender Gesprächsführung; Absetzimpulse entstigmatisieren, als Gesprächsthema statt Tabu etablieren und in die gemeinsame Entscheidungsfindung mit der Fachärzt:in überführen.

Schlafmangel als Manie-Trigger

Prüfungsphasen, Projektendspurts, Jetlag, Nachtarbeit oder durchfeierte Nächte verkürzen den Schlaf — und Schlafmangel gehört zu den wichtigsten Auslösern (hypo)manischer Episoden. Es entsteht ein Teufelskreis: Weniger Schlaf steigert den Antrieb, der gesteigerte Antrieb reduziert das Schlafbedürfnis weiter.

Beispiel: Eine Studentin schläft in der Klausurenphase drei Nächte hintereinander nur vier Stunden. Statt Erschöpfung erlebt sie wachsende Energie, beschleunigtes Denken und beginnt nachts, ihre Wohnung umzuräumen.
Intervention: Rhythmusschutz nach IPSRT: geschütztes Schlaffenster, feste Aufstehzeit, Vorausplanung von Risikophasen (Prüfungen, Reisen, Schichtdienst). Schlafdauer im Stimmungstagebuch monitoren; verkürzter Schlaf ohne Müdigkeit aktiviert die Gelbstufe des Krisenplans.

Beginnende Hypomanie als 'endlich wieder gut drauf'

Nach einer depressiven Phase wird die aufsteigende Hypomanie als Genesung fehlgedeutet — endlich Energie, Ideen, Leichtigkeit. Auch das Umfeld verstärkt anfangs ('Schön, dass es dir wieder besser geht'). Die Bereitschaft gegenzusteuern ist genau dann am geringsten, wenn sie am wichtigsten wäre.

Beispiel: Eine Patientin berichtet strahlend: 'Das ist keine Krankheit — das bin endlich wieder ich.' Sie schläft fünf Stunden, hat drei neue Projekte begonnen und den Therapietermin fast abgesagt, 'weil es ja läuft'.
Intervention: Frühwarnzeichen-Profil mit konkreten, beobachtbaren Kriterien (Schlafdauer, Ausgaben, Projektstarts) statt subjektivem Befinden; Fremdeinschätzung durch Angehörige einholen; in der Euthymie erarbeitete Wenn-dann-Vereinbarungen des Ampelplans aktivieren — gerade weil die Einsicht in der Episode sinkt.

Scham und Aufräumarbeiten nach manischen Episoden

Nach Abklingen der Manie stehen Betroffene vor den Folgen: Schulden, gekündigte Jobs, beschädigte Beziehungen, beschämende Erinnerungen. Scham und Schuldgefühle können in die nächste depressive Episode führen und werden in der Therapie oft vermieden.

Beispiel: Ein Patient hat in der Manie einen Kredit aufgenommen und Kollegen mit grandiosen Ankündigungen brüskiert. Nach der Episode vermeidet er Briefpost und Arbeitskontakte und sagt: 'Ich erkenne mich selbst nicht wieder.'
Intervention: Supportive Aufarbeitung: Episodenverhalten als Krankheitssymptom einordnen, ohne Verantwortung für die Schadensregulation abzusprechen; Scham und realistische Schuld differenzieren; konkrete Schritte begleiten (Schuldnerberatung, klärende Gespräche). Die Erfahrungen in Frühwarnzeichen-Profil und Selbstbindungsstrategien (Geld, Verträge) überführen.

Therapeutische Fallstricke

Unipolare Depressionsbehandlung ohne Bipolar-Screening
Folge: Die bipolare Störung bleibt im Mittel 6-10 Jahre unerkannt; eine Antidepressiva-Monotherapie kann einen Switch in die (Hypo-)Manie auslösen oder den Verlauf destabilisieren, und die eigentlich indizierte Phasenprophylaxe unterbleibt.
Bei jeder Depressionsdiagnostik aktiv nach (hypo)manischen Episoden fragen — konkret nach vermindertem Schlafbedürfnis ohne Müdigkeit, Energie- und Ideenschüben, riskanten Entscheidungen. MDQ als Screening erwägen und die Fremdanamnese einbeziehen.
Psychotherapie als Ersatz statt Ergänzung der Pharmakotherapie
Folge: Ohne Stimmungsstabilisierung fehlt der Phasenschutz — auch eine gut geführte Psychotherapie verhindert manische Episoden nicht zuverlässig. Rückfälle mit gravierenden psychosozialen Folgen und Vertrauensverlust in die Behandlung drohen.
Das adjuvante Selbstverständnis der Psychotherapie transparent machen: Stimmungsstabilisierung ist die Behandlungsgrundlage, Psychotherapie wirkt zusätzlich. Enge Kooperation mit der verordnenden Fachärzt:in; Absetzwünsche nie durch die Psychotherapie 'decken', sondern in die ärztliche Entscheidungsfindung überführen.
Überaktivierung in der Verhaltensaktivierung bei Restinstabilität
Folge: Was bei unipolarer Depression hilft, kann bei bipolarer Depression kippen: Ein zu ambitionierter Aktivitätsaufbau (mehr Termine, Sport am Abend, neue Projekte) treibt Arousal und Rhythmusstörung an und kann eine hypomanische Entwicklung anschieben.
Aktivierung dosieren und an Schlaf und Stimmungstagebuch koppeln: Schlafregularität und stabile Tagesstruktur sind die Leitplanken. Bei ansteigender Stimmung oder sinkender Schlafdauer den Aktivierungsumfang reduzieren statt steigern.

Gegenübertragung

Faszination und Mitgerissenwerden durch hypomane Energie: Hypomane Patient:innen können charmant, witzig und mitreißend sein — die Sitzung wird schneller, lauter, unstrukturierter. Die eigene Aktivierung als diagnostische Information nutzen: Tempo bewusst drosseln, Struktur und Sitzungsfokus halten und die nüchterne Statusdiagnostik (Schlafdauer, Ausgaben, Risikoverhalten) nicht von der unterhaltsamen Präsentation überstrahlen lassen.
Frustration und Ärger bei Non-Adhärenz: Wiederholtes Absetzen der Medikation kann als Sabotage der gemeinsamen Arbeit erlebt werden. Hilfreich ist, Non-Adhärenz als Teil der Störungsdynamik zu verstehen (Trauer um die Hypomanie, Nebenwirkungen, Identitätsfragen) statt als persönliche Kränkung — motivierende Haltung statt Überzeugungsarbeit, eigene Frustration in Intervision oder Supervision reflektieren.

Leitlinien

S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen

Version Update 2019 (Version 2.1, 2020) • AWMF 038-019
Zur Leitlinie →

Kernempfehlungen

A
Allen Patient:innen mit bipolarer Störung soll eine strukturierte Psychoedukation angeboten werden.
Rückfallreduktion und verbesserte Medikationsadhärenz in randomisierten Studien und Metaanalysen (u.a. Oud et al. 2016)
A
Lithium soll als Mittel der ersten Wahl in der Phasenprophylaxe eingesetzt werden.
Beste Datenlage für die Rezidivprophylaxe; zusätzlich Hinweise auf eine suizidpräventive Wirkung
B
Psychotherapie soll zusätzlich zur Pharmakotherapie angeboten werden — als Ergänzung, nicht als Ersatz der Stimmungsstabilisierung.
Adjuvante psychotherapeutische Verfahren (Psychoedukation, KVT, FFT, IPSRT) senken Rückfallraten und verbessern Funktionsniveau und Adhärenz gegenüber rein medikamentöser Behandlung

Weitere Leitlinien & Empfehlungen

NICE Clinical Guideline CG185: Bipolar disorder — assessment and management
National Institute for Health and Care Excellence (NICE)Internationale Referenz für Diagnostik, Akutbehandlung und Langzeitmanagement bipolarer Störungen; detaillierte Empfehlungen zu psychologischen Interventionen und zum Monitoring.
Link →
CANMAT/ISBD 2018 Guidelines for the Management of Patients with Bipolar Disorder
Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments / International Society for Bipolar Disorders (Yatham et al., Bipolar Disorders)International breit rezipierte Pharmako-Algorithmen für alle Krankheitsphasen (Akutmanie, bipolare Depression, Erhaltungstherapie) mit hierarchisierten Empfehlungsstufen.

Literatur

Grundlagenwerke

Goodwin FK, Jamison KR (2007). Manic-Depressive Illness: Bipolar Disorders and Recurrent Depression (2nd ed.). Oxford University Press.
Das Standardwerk zur bipolaren Störung: umfassende Synthese zu Phänomenologie, Verlauf, Neurobiologie, Suizidalität und Behandlung — bis heute die zentrale wissenschaftliche Referenz des Feldes.
Frank E (2005). Treating Bipolar Disorder: A Clinician's Guide to Interpersonal and Social Rhythm Therapy. Guilford Press.
Begründung der Interpersonellen und Sozialen Rhythmustherapie (IPSRT): verbindet interpersonelle Therapie mit der systematischen Stabilisierung sozialer Zeitgeber und des Schlaf-Wach-Rhythmus als Rückfallschutz.

Meta-Analysen

Oud M, Mayo-Wilson E, Braidwood R, Schulte P, Jones SH, Morriss R, Kupka R, Cuijpers P, Kendall T (2016). Psychological interventions for adults with bipolar disorder: systematic review and meta-analysis. British Journal of Psychiatry.
Psychologische Interventionen (v.a. Psychoedukation und KVT) senken als Ergänzung zur Pharmakotherapie die Rückfallraten und verbessern depressive Symptomatik und Funktionsniveau.
Chatterton ML, Stockings E, Berk M, Barendregt JJ, Carter R, Mihalopoulos C (2017). Psychosocial therapies for the adjunctive treatment of bipolar disorder in adults: network meta-analysis. British Journal of Psychiatry.
Netzwerk-Metaanalyse adjuvanter psychosozialer Verfahren: Psychoedukation mit Einbezug von Angehörigen zeigt die günstigsten Effekte auf Rückfallraten und Adhärenz; KVT wirkt v.a. auf die depressive Symptomatik.

Praxisleitfäden

Meyer TD, Hautzinger M (2004). Bipolare Störungen: Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual. Beltz.
Strukturiertes KVT-Manual für die Einzeltherapie bipolarer Störungen: Psychoedukation, Frühwarnzeichen-Management, Aktivitäts- und Rhythmusregulation sowie kognitive Arbeit — praxisnah mit Arbeitsmaterialien.
Schaub A, Bernhard B, Gauck L (2004). Kognitiv-psychoedukative Therapie bei bipolaren Erkrankungen: Ein Therapiemanual. Hogrefe.
Psychoedukatives Gruppen- und Einzelmanual: Störungsmodell, Medikationsadhärenz, Frühwarnzeichen und Krisenplanung — direkt umsetzbare Sitzungsstruktur für die leitliniengerechte Psychoedukation.