KVT – Kognitive Verhaltenstherapie Gedanken, Gefühle und Verhalten gezielt verändern
Die KVT ist das am besten erforschte Psychotherapieverfahren mit der breitesten Evidenzbasis. Sie kombiniert kognitive Techniken (Identifikation und Veränderung dysfunktionaler Gedanken) mit behavioralen Methoden (Verhaltensaktivierung, Exposition). Zentrales Modell: Situation → Gedanke → Gefühl → Verhalten (ABC-Modell nach Ellis / kognitives Modell nach Beck).
Gedankenprotokoll (5-Spalten-Protokoll)
Exposition in vivo und in sensu +4 weitere Techniken 12–20 Sitzungen (Kurzzeit), 25–45 Sitzungen (Langzeit) DBT – Dialektisch-Behaviorale Therapie Emotionen regulieren – das Leben lebenswert machen
Die DBT wurde von Marsha Linehan speziell für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt und verbindet KVT-Techniken mit Achtsamkeitspraktiken aus dem Zen-Buddhismus. Kernkonzept: Dialektik zwischen Akzeptanz (du bist gut so wie du bist) und Veränderung (du musst Dinge ändern). 4 Skillsmodule: Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation, Interpersonelle Effektivität.
DBT Diary Card (tägliche Selbstbeobachtung)
TIPP-Skill (Temperatur, Intensives Training, Paced Breathing, Progressive Relaxation)
DEAR MAN (Interpersonelle Effektivität) +4 weitere Techniken Einzeltherapie 1×/Woche + Skills-Gruppe 2h/Woche, mind. 12 Monate ACT – Acceptance and Commitment Therapy Werte leben trotz schwieriger Gedanken und Gefühle
ACT ist Teil der "dritten Welle" der Verhaltenstherapie und basiert auf der Relational Frame Theory (RFT). Ziel ist nicht die Symptomreduktion, sondern psychologische Flexibilität: die Fähigkeit, im Kontakt mit unangenehmen inneren Erfahrungen zu bleiben und trotzdem werteorientiert zu handeln. Das Hexaflex-Modell beschreibt 6 Kernprozesse: Akzeptanz, Defusion, Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment, Selbst-als-Kontext, Werte, engagiertes Handeln.
Wertekompass / Werteklärung
Kognitive Defusion (Gedanken als Gedanken sehen) +4 weitere Techniken 8–16 Sitzungen, oft als Gruppenformat möglich ST – Schematherapie Frühe Lebensmuster erkennen und verändern
Die Schematherapie kombiniert KVT, Bindungstheorie und Emotionsfokussierung. Kernannahme: Maladaptive Schemata entstehen durch unerfüllte kindliche Grundbedürfnisse und prägen dysfunktionale Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster. Therapeutische Arbeit über 3 Wege: kognitive Techniken, erfahrungsorientierte Techniken (Imagery Rescripting, Stuhldialoge) und Verhaltensänderung in der Praxis. Besonders wirksam bei Persönlichkeitsstörungen.
Schemaidentifikation (YSQ)
Imagery Rescripting (Bildumdeutung) +4 weitere Techniken 25–50+ Sitzungen (Langzeittherapie empfohlen) EMDR – Eye Movement Desensitization and Reprocessing Traumatische Erinnerungen verarbeiten und integrieren
EMDR ist eine spezialisierte Traumatherapie, bei der belastende Erinnerungen durch bilaterale Stimulation (Augenbewegungen, Töne, taktile Reize) verarbeitet werden. Das Adaptive Information Processing (AIP)-Modell erklärt: Traumatische Erfahrungen werden nicht korrekt ins Gedächtnisnetz integriert – EMDR initiiert die adaptive Informationsverarbeitung. WHO empfiehlt EMDR als Erstlinienbehandlung bei PTBS. 8-phasiges Protokoll.
Bilaterale Stimulation (Augenbewegungen)
Sicherer Ort (Safe Place)
Traumaverarbeitung in 8 Phasen +3 weitere Techniken 6–12 Sitzungen für einfache PTBS, mehr bei Komplextrauma TP – Tiefenpsychologisch Fundierte Psychotherapie Unbewusste Konflikte und Beziehungsmuster verstehen
Die TP ist ein modifiziertes, fokussiertes psychodynamisches Verfahren, das auf der Psychoanalyse basiert, aber in der Gegenwart verankert bleibt. Fokus auf aktuelle unbewusste Konflikte, Abwehrmechanismen und Übertragungsphänomene. Im Unterschied zur Psychoanalyse: niedrigere Sitzungsfrequenz, konfrontativere Haltung, Fokus auf aktuelle Lebensprobleme. In Deutschland als Kassenleistung anerkannt.
Fokussierung auf zentralen Konflikt
Übertragungsarbeit (modifiziert) +3 weitere Techniken 25–80 Sitzungen (Kurz- und Langzeittherapie) SYS – Systemische Therapie Den Menschen im Kontext seiner Beziehungen verstehen
Die Systemische Therapie betrachtet psychische Probleme nicht als individuelle Störungen, sondern als Ausdruck von Mustern in Beziehungssystemen (Familie, Paar, Arbeit). Techniken umfassen zirkuläres Fragen, Reframing, Reflecting Team und Skulpturarbeit. 2019 als erstes neues Richtlinienverfahren seit Jahrzehnten in Deutschland kassenärztlich anerkannt.
24 Sitzungen (Kurzzeit), 60 Sitzungen (Langzeit), oft größere Abstände